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Im Pop ging es darum zu sagen ‚F*ck me‘. Im Rock geht es darum „F*ck you“ zu sagen.

Chrissie Hynde

Böhse Onkelz
Gehasst, geliebt, vergöttert
Die Geschichte einer deutschen Band + Die Fans

Rezension © 2018 by Martin Wagner für musikola.de
boehse onkelz

Titel: Gehasst, geliebt, vergöttert – Die Geschichte einer deutschen Band und Die Fans

Art: Biographie/Fanbefragung
Sprache: Deutsch
Publikationsjahr: 2017
Autor: Klaus Farin

Titelbild/Umschlaggestaltung: Timo Kümmel
Umfang: 296 Seiten

Bindung: Geschenkbox/Hardcover

Preis: 32 €/18 € pro Buch

Kurzbeschreibung
Mit dieser Band hast du nicht viele Freunde texteten die Böhsen Onkelz einmal. Heute – drei Jahrzehnte später – sind sie die erfolgreichste deutsche Rockband. Gehasst, geliebt, vergöttert. Wie haben sich die Band und auch ihre Fans in der Zeit verändert? Wofür stehen die Böhsen Onkelz heute, die schon mehrfach von Kritikern aufgefordert wurden, ihren Namen aufgrund ihrer Vergangenheit zu ändern? Wer sind diese Fans? Haben sie die Wandlungen der Böhsen Onkelz mitgemacht? Welche Bedeutung hat die Band in ihrem Leben?

Meine Meinung

Es gibt in Deutschland kaum eine Band, die so viele negative Schlagzeilen gemacht hat und doch ansonsten ohne jegliche Werbung so erfolgreich war und ist, wie die Deutschrockband die Böhsen Onkelz. Sicherlich waren und sind die Medien daran nicht unbeteiligt, aber die Band hat ihren Erfolg primär ihren Fans und in Teilen auch ihrer eigenen Biographie zu verdanken.

Einen genaueren Blick auf die Band und die Fans hat sich Klaus Farin, der sich hauptsächlich als Lektor und mit der Erforschung von Jugendsubkulturen, gerade auch in Bezug auf Jugendsozialforschung hervortut, und der seit Jahren gegen Rassismus einsteht und dahingehend forscht und arbeitet. Dass sich Klaus Farin nun den Böhsen Onkelz zuwendet ist nicht überraschend, kennt er die Band doch schon lange und auch andere Deutschrockbands sind ihm nicht fremd. Zwei Bücher hat er dazu unter dem Titel „BO - Gehasst, geliebt, vergöttert“geschrieben, eine Biographie der Band mit dem Untertitel „Die Geschichte einer deutschen Band“ und ein Buch, welches die Fans dieser Band zu Wort kommen lässt, mit dem Untertitel „Die Fans“. Erschienen sind die Bücher beim Hirnkost Verlag 2017 und sowohl einzeln als Print und ePub und auch im Sammelband mit Signierung als limitierte Auflage erhältlich.

Als großer Freund von Biographien habe ich mich dem Buch zuerst zugewandt. 160 Seiten sind für eine Biographie nicht viel und dementsprechend skeptisch bin ich an dieses Buch auch herangegangen. Im Vorwort wird dann sofort deutlich, wohin diese Biographie gehen wird. Klaus Farin widmet sich intensiv seinem Lieblingsthema, der Skinheadbewegung und der damit verbundenen frühen Einordnung der Band in die rechte Szene. Dabei macht er deutlich, dass er sehr früh auf die Band aufmerksam wurde und sich der Berichte über die Band in vielen Zeitungen durchaus bewusst ist, der Zuspruch der Fans ihn aber motiviert hat, dieses Buch zu schreiben. Dementsprechend positiv ging er an die Arbeit heran und blickt sofort auf den Werdegang der einzelnen Bandmitglieder vor ihrer Karriere als Musiker. Im Vergleich zur älteren Biographie und auch durch die Internetpräsenz der Böhsen Onkelz, erhalten die Leser hier keine wirklich neuen Informationen. Man muss Farin aber für die Art der Darbietung loben, denn der Werdegang ist sehr unterhaltsam geschrieben und legt den Fokus weniger auf die Geschichte, als auf die Persönlichkeitsentwicklung. Schlussendlich bleibt er aber am Übergang von Punks zu rechten Skinheads hängen. Eines der ersten Lieder der Band, „Türkähn rauhs“, scheint auf den ersten Blick eine eindeutige Position darzustellen. Der Autor zweifelt an dieser Eindeutigkeit und argumentiert mit dem Hass auf Alles und Jeden der Punks und den Auseinandersetzungen zwischen Punks und Türken in einigen Stadtteilen. Eindeutiger wird es allerdings bei „Deutschland den Deutschen“, welches die Böhsen Onkelz in der rechten Szene zu Helden werden lies. In dieser Zeit sind einzelne Bandmitglieder offen rassistisch und rechts eingestellt und ein längeres Interview, welches in der Biographie in Auszügen abgedruckt ist, zeigt das deutlich auf und lässt auch das erste Lied in einem anderen Licht erscheinen. Nach dem Interview sind wir immerhin beim ersten richtigen Album, „Der nette“ Mann“ angekommen, haben aber auch schon fast die Mitte des Buches erreicht. Dieses Album sorgt sofort für viel Zündstoff in den Medien und wird, nicht etwa wegen des Liedes „Deutschland“ sondern aufgrund von (bewusst?) falsch verstandenen Texten. Da die Urteilsbegründung mitgeliefert wird, kann man diese Anschuldigungen selbst überprüfen und wird schlussendlich zum selben Schluss kommen. Inhalte und Erklärungen durch die Band werden immer noch ignoriert und das Abspielen von „Der nette Mann“ kostet immer noch bis zu 10.000 Euro. Der Wandel der Skinheadszene von eher links zu rechts folgt kurz darauf, weswegen wir dann wieder beim Steckenpferd des Autoren wären. Viele Skins wenden sich von der Szene ab, schätzen sie sich doch selbst als Opfer einer zukünftigen rechten Regierung ein. Interessant sind einige Worte zur damaligen Politik der Volksparteien, die damals nicht viel anders gesprochen haben, als es heute AfD und NPD tun. Aber zurück zu den Böhsen Onkelz, die sich nach ihrem zweiten Album auch musikalisch von der Szene abwenden. Das dritte Album, bei einem neuen Label, schließt dann mit dem Lied „Erinnerungen“ endgültig mit der Vergangenheit ab und die Band äußerte sich damals auch in Interviews selbstkritisch zur Vergangenheit und offen mit den Gründen für den Szenewechsel. Nachfolgend werden sie als Verräter beschimpft und müssen sich trotzdem immer wieder rechtfertigen, vielleicht auch, weil ihr neues Label alles andere als politisch neutral ist. Schlag auf Schlag wirft der Autor nun einen Blick auf die Alben von 1990 bis 1993, widmet sich dem Tod eines Freundes der Band und Kevins Drogensucht und der Probleme, Hallen für Konzerte zu finden. Auf den stattfindenden Konzerten und mittels Anzeigen in Zeitungen, zeigt die Band, wie der Autor es mit Zitaten belegt, klare Kante gegen rechte Fans. Der Presse ist das egal, für sie finden sich immer noch viele Anzeichen für rechtes Gedankengut in den Liedern oder dem Verhalten der Bandmitglieder. Rasend schnell werden die Alben und das erste Ende der Band behandelt. Andere Bands versuchen den freigewordenen Platz zu übernehmen, die Rückkehr der Band 2014 sprechen einige andere Bands sehr positiv darüber, die Presse hat aber immer noch ihre Vorurteile und auch das neue Album kann daran nichts ändern. Damit wäre fast alles geschrieben, aber im Nachklang widmet sich der Autor dann doch noch dem Streit, der zur Trennung führte, und zu Kevins endgültigem Absturz mit Koma und Fahrerflucht. Doch genau dieser Absturz führte zur Reunion und einem drogenfreien Kevin, der fitter denn je aber noch immer ohne klare Entschuldigung an die wahren Opfer des Unfalls bis zur Drucklegung des Buches. Auch gegen Ende bekommen die Fans noch einmal das Wort und werden in den Fokus genommen. Ein Ausblick auf das zweite Buch der Reihe.

Fazit: Ein Buch mit einem starken Fokus auf die Skinheadjahre und die Band als rechte Band in den Medien. Gerade am Anfang des Buches werden die Protagonisten sehr detailliert in den Blick genommen, danach kommt fast nur noch die Band als Einheit und nur sehr sehr wenig über die einzelnen Bandmitglieder. Das ist sehr schade, denn gerade die Fans wollen doch mehr als nur Songtitel, die sie schon kennen, und den Tratsch aus der Presse. Hier hätte ich mir persönlich deutlich mehr gewünscht und ich hätte es auch passend gefunden, denn die Band besteht nun einmal aus vier eigenwilligen Menschen, die eine Geschichte zu erzählen haben, die auch neben der Band geschrieben wird.

Um das zweite Buch soll es nun gehen und das kann deutlich schneller abgehandelt werden. Es ist dabei nicht weniger interessant, sollte aber im Detail von jedem selbst gelesen werden, weil es viele Statistiken gibt. Mehr als 2000 von knapp zwei Millionen Fans, laut Farin, nahmen an der Umfrage teil und liefern interessante Ergebnisse. Das Buch beginnt aber nicht mit Zahlen, sondern mit Bildern der Fans und dem identitätsstiftenden Band-Merchandise. Erst auf Seite 30 geht es los und da wird der erste Blick auf die Facebookgruppen gelenkt, in der sich tausende Fans der Band austauschen. Anschließend darf sich eine Merchandise-Gruppe vorstellen und ihre Geschichte erzählen. Erst dann werden die Umfrageergebnisse ausgewertet. So erfahren wir etwa das Alter der Fans und den Anteil der Frauen. Auch die Berufsgruppen wurden erfragt, Techniker, Logistiker und Verkäufer überwiegen, aber auch Erziehung und Pfleger sind häufig Fans. Nun wissen wir, wer Fan ist, jetzt folgt die Auswertung der spezielleren Fragen und man erfährt, wie man wann Fan wurde. Da man zusätzlich zu einem Haken auch noch ausführlicher Antworten konnte, finden sich zwischen den Balkendiagrammen viele Zitate und kurze Lebensgeschichten, inklusive harter Schicksale, die den positiven und sogar lebensrettenden Einfluss der Band offenbaren. Ich bin sicher, dass sich viele Fans bei vielen Kommentaren selbst erkennen können, die Fans sind eine Familie und Familien erleben oft dasselbe. Interessant sind die Meinungen zu Kevins Tat, zur Wirkung der Band gegen Rechts und auch die politische Einstellung der Fans. Da finden sich nämlich durchaus kontroverse Meinungen, die deutlich machen, wie unterschiedlich die Fans doch eigentlich sind. Schlussendlich eint sie aber eins, die Liebe zur Band.

 

Fazit:

Die Fans der Böhsen Onkelz sind eine Sache für sich, eine Familie. Das war ein Ergebnis der Umfrage. Ob man dafür aber die Umfrage gebraucht hätte sei dahingestellt. Schade finde ich, dass nur etwas mehr als 2000 Fans mitgemacht haben. Ist Klaus Farin zu sehr ein Medienmensch? Nun ja, repräsentativ war die Umfrage und die Ergebnisse der einzelnen Fragen sind wirklich interessant und erhellend. Auch die Darbietung ist gelungen und der zweite Band, rundet das Gesamtwerk damit ab

 

Gesamtfazit:

Beide Bücher zeigen ein deutliches Bild der Familie der Böhsen Onkelz. Die Fans und die Band sind diese Familie, da steht man für sich ein, haut auch mal drauf, wenn einem was nicht passt, rauft sich aber auch wieder zusammen. Das wollen die Fans lesen und das bekommen sie. Einzeln haben die Bücher Schwächen, zusammen passt es dann wieder, weswegen ich eher den Kauf beider Bücher empfehle als nur den Biographieteil.

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