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Die Hölle ist voller Amateur-Musiker.

George Bernard Shaw

Interview

  • Interview mit dem
    "Demons & Wizards"
    und "Blind Guardian" Sänger 
     

    Hansi Kürsch

    für stephen-king.de/musicola.de
    geführt von Gerald Schnellbach

    Hansi Kürsch ist Sänger der Metal-Band "Blind Guardian", die seit 1985 existiert. Im Jahr 2000 gründete er außerdem zusammen mit dem amerikanischen Gitarristen Jon Schaffer die Band "Demons & Wizards". Im Juni 2005 brachten sie ihr zweites Album (Touched by the Crimson King) auf den Markt. Das Album enthält einige Songs, die von Stephen Kings Dark Tower Reihe inspiriert sind (u. a. Crimson King, Terror Train und The Gunslinger). Hansi Kürsch wurde 1966 in Meerbusch geboren, ist verheiratet und hat einen Sohn. Für stephen-king.de erklärte er sich freundlicherweise zu einem Interview bereit.

    Hallo Hansi, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast uns ein paar Fragen bezüglich "Demons & Wizards" und eures aktuellen Albums "Touched By The Crimson King" zu beantworten.

    Das Album "Touched By The Crimson King" (Juni 2005) ist das zweite Album, das du zusammen mit Jon Schaffer aufgenommen hast. Wie ist es überhaupt zu dieser deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit gekommen? Ihr spielt ja beide außer bei Demon & Wizards in recht erfolgreichen Bands, du bei Blind Guardian und Jon bei Iced Earth.

    Hansi Kürsch:

    Über eben diese Bands haben wir uns auch kennen gelernt. Anfang der 90er suchten wir für unsere "Tales..." Tour einen starken Support und wurden von ein paar Freunden darauf hingewiesen, dass Iced Earth die richtige Band für uns sein könnten. Nachdem wir uns deren Debüt angehört hatten, war für uns klar, dass wir die richtige Band gefunden hatten. Gleich am ersten Tag der Tour mussten wir uns dann leider gemeinsam mit einer Menge unschöner Sachen auseinandersetzen. Das hat die beiden Bands - speziell Jon und mich - zusammengebracht. Über die Jahre haben wir diese Freundschaft intensiviert. Unser Verhältnis kann man durchaus als brüderlich bezeichnen. Glücklicherweise stellten wir dann vor einigen Jahren fest, dass wir auch als Songwriterteam harmonieren. Das war dann praktisch die Geburtstunde von Demons and Wizards.


    Wie würdest du die Musik auf dem Album beschreiben? Was ist anders als bei Blind Guardian?


    Hansi Kürsch:

    Die Songs für Demons and Wizards sind vollkommen anders strukturiert. Blind Guardian ´s Songaufbauten sind vielschichtig in jeder Hinsicht, die Konstrukte für "Demons and Wizards" sind wesentlich transpararenter. André mit dem ich die Songs für "Blind Guardian" komponiere, legt Wert auf instrumentale Orchestrierung und exakte Definition des Playbacks, welches mir etwas weniger Spielraum bei der Ausarbeitung meiner Ideen gibt. Dies unter anderem führt dazu, dass jeder Blind Guardian Song ein absolutes Unikat darstellt und selbst für den geübten Hörer eine schier endlose Masse an hörenswerten Highlights bereithält. Die Songs werden nie langweilig. Auf Grund der sehr hookigen Refrains wirkt das ganze trotzdem nie konfus.
    Jon ´s Arrangements hingegen sind wesentlich offener gehalten und geben mir deutlich mehr Freiräume zur Gestaltung der Gesangsarrangements. Der Song steht für sich. Das puristische ist bei Demons and Wizards Konzept. Der Hörer findet schnell Zugang zu den Songs. Anders als bei Blind Guardian kann man bei Demons and Wizards von reiner Heavy Metal Musik sprechen. "Touched by the Crimson King" würde ich als sehr eingängig, höchst melodisch und äußerst vielseitig beschreiben. Der Hörer kann sich an epischen Nummern wie "Crimson King", an Nackenbrechern wie "Terror Train", Balladen wie "Wicked Witch", oder aber an Accoustic-Freestylern wie "Seize the Day" erfreuen.


    Textlich wird in einigen Songs Stephen Kings Dark Tower Saga "verarbeitet". Was gefällt dir besonders an diesen Büchern? Wann bist du das erste mal mit ihnen in Berührung gekommen?


    Hansi Kürsch:

    Ich würde schätzen, dass ich "Schwarz" kurz nach Erscheinen in Deutschland gelesen habe. Bis zur Veröffentlichung von "Drei" dauerte es - so habe ich das zumindest damals empfunden - viel zu lange. Was mir besonders an diesen Büchern gefällt?

    Die kurze Antwort: Ich war bereits nach dem Konsum des ersten Satzes von "Schwarz" süchtig und wusste die Geschichte wird ein Trip, die für Leute wie mich geschrieben ist.

    Die lange Antwort: King kreiert hier ein in sich funktionierendes Universum, welches zentraler Quell seines gesamten Schaffens zu sein scheint. Ob das nun künstlich herbeigeführt ist, oder tatsächlich eine ursprünglich natürlich Entwicklung ist, kann ich nicht beurteilen. Ist aber auch egal, da es perfekt und konsequent umgesetzt wurde. Das geschickte Einweben verschiedener mir in anderen Stories liebgewonnenen Personen und Begebenheiten hat mich weggeblasen. King ´s Gastauftritte sind kult. Überhaupt ist diese in diesem Buch erzeugte Schwelle zwischen "künstlicher" Realität, Mythos und Fiktion - die notwendige Verknüpfung aller drei Elemente und deren Abhängigkeit voneinander - meisterhaft eingefangen. Ausserdem hat King in diesem Roman und in seinen einzelnen Teilen das hingekriegt, was ich ansonsten häufig als einzigen Kritikpunkt an seinen Stories empfinde: es gibt geschmackvolle, der Dynamik der Story angepasste, schlüssige Auflösungen. Man kann am Ende eines jeden Teils fast schon von "Cliffhangern" sprechen. Stephen King weiß wie man eine Geschichte erzählt.
    Ka-Tet hin und her: über alle dem thront: Roland!!! Menschen, die sich der Magie Rolands entziehen können sind mir suspekt.

    Hast du einen persönlichen Favoriten auf dem neuen Album?


    Hansi Kürsch:

    "The Gunslinger" empfinde ich auf Grund des Textes als den stärksten Song des Albums.


    Stephen King ist ja bekanntlich ein Fan von Rockmusik. Habt ihr mit dem Gedanken gespielt, ihm ein Album von "Touched by the Crimson King" zu schicken? Oder habt ihr es sogar schon getan?


    Hansi Kürsch:

    Nein, das haben wir nicht. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir darüber noch nicht mal Gedanken gemacht habe.


    Wer hat die beiden Cover des aktuellen Albums entworfen? Hattest du da selber die Finger mit ihm Spiel?


    Hansi Kürsch:

    Jon und ich sind für das konzeptionelle zuständig gewesen, für die Ausführung waren Leo Hao und Travis Smith verantwortlich.

    Gibt es, außer auf dem neuen Album, sonst noch Lieder, die du über Stephen Kings Bücher geschrieben hast?


    Hansi Kürsch:

    Die gibt es in der Tat. King Stories haben mich bei folgenden Blind Guardian Songs zu den Texten inspiriert "Guardian of the Blind" (ES), "Follow the Blind" (Talisman), "Tommyknockers" und "Altair 4" (Tommyknockers)und "Somewhere far Beyond" (Der dunkle Turm). Das sind alles Songs aus unserer frühen Schaffensphase. Demzufolge glaube ich, dass ich auf "Touched by the Crimson King" der Story in textlicher Hinsicht eher gerecht geworden bin als es bei den älteren Scheiben der Fall gewesen ist.

    Wie sich ja unschwer erkennen lässt, bist du ein Fan von Stephen Kings Büchern. Seit wann liest du diese? Hast du alle gelesen? Welches ist dein Lieblingsbuch von ihm?


    Hansi Kürsch:

    Ich habe verhältnismäßig spät angefangen Stephen King Bücher zu lesen. Von einigen Short Stories, die ich im Vorfeld gelesen hatte, einmal abgesehen, war "ES" meine entscheidende erste Berührung mit dem King Universum. Die Geschichte hat mich damals einfach nur umgehauen. Das muss so in etwa 1985 gewesen sein. Ich habe ganz sicherlich nicht alles gelesen, aber eine Menge. Bei einem so vielfältigen Schriftsteller, wie King es ist, fällt es mir schon schwer mit einer Top 5 Liste aufzuwarten.
    Meine Top 5 sieht im Moment so aus: 1. "Der dunkle Turm" - alles, 2. "Talisman", 3. "The Green Mile", 4. "Es", 5. "Das schwarze Haus"

    Ich habe gelesen, dass du auch "Herr der Ringe" Bücher sammelst. Gilt das auch für King? Hast du ein paar besondere Exemplare?


    Hansi Kürsch:

    Das Sammeln von "Herr der Ringe" Bücher wird einem etwas leichter gemacht. Da kann man arm werden und hat immer noch nicht alle Ausgaben, die für einen Fan irgendeinen obskuren Kaufgrund bieten. Ich habe einen guten Haufen King Bücher, aber keine wirklich besonderen Exemplare. Meine Lieblingsbücher habe ich meist gebunden und außerdem noch in der Deutschen und der Englischen Fassung.

    Wie stehen deine Bandkollegen den Dark Tower Songs gegenüber? Lesen sie selber King oder hast du sie dazu gezwungen die Bücher zu lesen?


    Hansi Kürsch:

    In Blind Guardian ist neben mir unser Gitarrist Marcus derjenige, der sich ebenfalls für Fantasy-, Horror- und Science Fiction Literatur interessiert. Stephen King gehört neben Michael Morcock zu seinen Faves. Wie viele andere Leute, die ich kenne, hat er leider nach "Glas" ein wenig das Interesse an der "Der dunkle Turm" Sage verloren, was schade ist. Als wir 1992 mit "Somewhere Far Beyond" einen Dark Tower inspirierten Text verarbeiteten war das für viele unserer Fans und meine Bandkollegen das Tüpfelchen auf dem "i".
    Bei Demons and Wizards sieht es etwas anders aus: Jon ist absoluter Comic Fan und kennt sich auch in fantastischer Literatur ganz gut aus. Jim Morris ist was das Lesen von Romanen betrifft ohne Zweifel noch verrückter als ich. Allerdings ist er vor allem Robert A. Heinlein und Isaac Asimov Fan. Beide - Jon und Jim - kannten sich mit der "Dark Tower" Serie jedoch so gut wie gar nicht aus, vertrauten mir aber. Der Text zu "Terror Train" rief nichtsdestotrotz einige Fragezeichen hervor. Doch konnte ich die beiden mit meinem Blaine/Gollum Vergleich beruhigen, so daß auch der Text letztlich ohne Probleme durch die Zensur ging.
    Im Vorfeld konnte ich Jon irgendwann mal dazu bewegen zumindest "The Gunslinger" zu lesen. Irgendwie hat es aber wohl nicht so richtig gefunkt. Ansonsten habe ich einige meiner Freunde, was den "Dunklen Turm" angeht, wieder auf den rechten Pfad gebracht...


    Du schreibst in deinen Liedern nicht nur über Bücher von Stephen King. Auch Oscar Wildes und J.R.R. Tolkiens Werke erkennt man in einigen Songs wieder. Daraus kann man schließen, dass du gerne liest. Was für Bücher liest du am liebsten? Was liegt zur Zeit auf deinem Nachttisch?

    Hansi Kürsch:

    Ich lese alles was mir in die Finger kommt. Das geht von King zu Malory, von dort zu Zimmer Bradley, von wo es zu Homer wandert um bei Joyce zu landen. Da ich ständig auf der Suche nach Textinspirationen bin und sich aus meiner Sicht gerade fantastische Themenbereiche zu einer perfekten Symbiose mit unserer Musik verbinden lassen, hat das ganze für mich natürlich auch noch einen sehr nützlichen Nebeneffekt. Auf dem Nachttisch liegt bei mir gerade "Pompeji" von Robert Harris.


    Wie sieht dein Terminkalender für die nächste Zeit aus? Ist eine Tour mit Demons & Wizards geplant, oder geht es mit Blind Guardian ins Studio?

    Hansi Kürsch:

    Leider sieht es zur Zeit nicht nach einer Demons and Wizards Tour aus. Jon hat bereits mit dem Songwriting für das nächste Iced Earth Album begonnen und für mich ist es in der Tat schon wieder Zeit für "Blind Guardian"- Studioaufnahmen. Mit unserem neuen Schlagzeuger Frederik Ehmke werden wir in Kürze mit den Aufnahmen zum "A Night At the Opera" Nachfolgealbum beginnen. Die Veröffentlichung für dieses Album ist für April/Mai 2006 geplant.


    Wir bedanken uns noch einmal für die Beantwortung der Fragen und wünschen dir für alle anstehenden Projekte weiterhin viel Erfolg.


    Vielen Dank, hat Spaß gemacht.

     

     

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    © 2005 bywww.stephen-king.de

    Klaus Spangenmacher und Gerald Schnellbach

  • Interview mit Joely und Oliver
    im Rahmen des Rheingau Musik Festivals
    am 30.08.2014

    geführt von Ute, Sara und Klaus Spangenmacher
    für musikola.de

    Hallo Joely, hallo Oliver. Schön, dass ihr Zeit für das Interview mit uns gefunden habt. So, dann legt Sara mal los :-)

    Sara
    Wie kam es eigentlich zu Joely & Oliver und wer war die treibende Kraft? Manchmal hat man das Gefühl, dass Joely viel Power in eure gemeinsame Musik und Karriere einbringt.

    Joely
    Das fing an, da war ich im Kindergarten. Oliver hat eine Cousine die wollte gern ein Projekt machen: Musik für Kinder. Sie hat Oliver angerufen und gefragt, ob er sie dabei  unterstützen kann und es produzieren möchte. Er hat mich dann die Lieder singen lassen, einfach um sich das mal anzuhören, wie das so wäre und hat ihr das dann vorgespielt, eigentlich nur um das mal auszuprobieren. Aber es wäre doch dann ganz schön, wenn das ein Mädchen singt. Von einem Kind für Kinder. Eigentlich war es dann Glück im Unglück, dass sie die Idee nicht ganz so gut fand. Sie wollte lieber, das Oliver das singt. Oliver hatte dann die Idee, dass wir das eben doch selbst machen. So hat das ganze angefangen.

    Oliver
    Ich hab Joely immer ein bisschen mitsingen lassen um auch mal zu hören, wie das wäre mit einem Kind. Bei dieser Produktion hat Joely noch nicht mitgemacht. Das wollten die Produzenten nicht. Da hab ich dann so Lust drauf gekriegt und da haben wir dann selber angefangen. Dann kam das berühmte Lied mit den zwei kleinen Wölfen, das hat sie damals bei ihrer Klavierlehrerin gelernt und dann haben wir das aufgenommen. Eigentlich nur für Oma, Opa und Tante, also für uns. Als wir dann gemerkt haben, "he, das interessiert die Leute" hab ich angefangen zu komponieren. Das ist jetzt 17 Jahre her.

    Frage:
    Wann habt ihr das erste mal gemerkt, was für ein grosses Talent Joely ist?

    Oliver
    Das hab ich genau da gemerkt, als wir angefangen haben. Da hab ich auch gemerkt, dass sie Lust hat, sich vor Publikum zu präsentieren und dass sie sehr sauber singt. Sie hat zwar noch die Kinderstimme gehabt, die kennt ihr ja noch von der roten CD, aber sie hat irrsinnig sauber gesungen und das ist im Studio wahnsinnig angenehm. Da kann man ja eigentlich viel tricksen aber das wollte ich nie und das haben wir auch nicht gemacht. Da hab ich schon gemerkt, dass das funktioniert.

    Klaus
    Man hat auch sehr schön gemerkt, dass sie viel Spaß daran hat.

    Oliver
    Ja, das kommt auch dazu. Ein bisschen Talent und das sauber singen hat mich sehr fasziniert. Kennt man ja auch von so Kinderchören, da gibt es immer ein paar die können das gut...

    Klaus
    ...bei anderen klingt es grausam

    Oliver
    ...die sollen dann auch weitermachen. Aber Joely hatte es halt drauf.

    Sara
    Joely, wann hattest Du Deinen ersten Gesangsunterricht?

    Joely
    Ich hatte ehrlich gesagt lange keinen. Ich war in einer Gesangsgruppe in München mit internationalen jungen Leuten und da hab ich viel gelernt. So richtig intensiven Einzelunterricht hab ich bekommen, da war ich 11. Relativ selten, weil ich einen ganz tollen Lehrer hatte, der meinte, dass das gar nicht so gut wäre, weil  Lehrer nämlich, vor allem beim Gesang, jemanden dann immer in eine Richtung schubsen. Dadurch dass ich ihn so selten gesehen habe, so meinen eigenen Weg gehen konnte und mich so entwickeln konnte, wie das für mich stimmig war.

    Ute
    Habt ihr euch eigentlich schonmal Gedanken gemacht, wie man eure Musik nennen könnte? Wird ja gerne als Kinderpop bezeichnet allerdings auch mit Detlev Jöcker und so zusammen und da liegen dann doch schon Welten dazwischen.

    Oliver
    Dieses ganze Projekt hat sich dazu entwickelt, dass wir eigentlich alles machen in alle Stilrichtungen und das ist für mich als Komponist das, was mir am meisten Spaß macht. Bei einer Pop-Produktion wollen immer wieder alle genau das hören, bei Rock'nRoll wollen alle Rock'n'Roll hören und wir genehmigen uns ganz einfach alles zu machen. Ich glaube auch, dass Kinder da viel lockerer sind beim hinhören, das ist denen einfach völlig egal, hauptsache sie können mitsingen oder es ist irgendetwas drin was sie fasziniert. Aber welche Stilrichtung, das ist denen komplett egal. Aber mir nicht, weil mir ja viel mehr Richtungen Spaß machen als nur eine. Deswegen bin ich auch so froh, dass wir das machen.

    Klaus
    Man wird auch nicht so festgelegt.

    Oliver
    Grade wenn ich arbeite, ich arbeite an vielen Lieder gleichzeitig. Und wenn ich grade nicht in Laune bin ein bayerisches Ufftata aufzunehmen mit meiner Ziehharmonika, dann nehm ich halt was anderes auf mit meiner Gitarre oder arbeite an einem anderen Lied weiter und das ist schon ne klasse Sache für mich. Aber das kann man sich halt wirklich nur bei Kindermusik erlauben. Weil du würdest ja dann auch von der Plattenfirma in so eine Ecke gedrängt werden. Aber diesbezüglich sind wir unsere eigenen Herren, ich wollte mir da nie reinreden lassen.

    Sara
    Wer hat die meisten Ideen und wieviel steckt da von eurem persönlich erlebten drin?

    Joely
    Ich würde sagen, dass ich viele Ideen bereitgestellt habe, durch die Sachen, die mir als Kind passiert sind. Es ist auch viel dabei, was Oliver beschäftigt hat in seiner Kindheit und die tatsächlichen Textideen und Musikideen muss ich leider fast den ganzen Credit an Oliver geben. Ich glaube, dass ich Anstösse gebe, aber das Ganze dann in Form bringen, das macht Oliver

    Oliver
    Aber sie macht mittlerweile immer mehr. Früher war es natürlich so, salopp gesagt friss oder stirb. Ich hab ihr was vorgespielt und hab ihr beigebracht, dass zu singen. Sie hat einfach mitgeträllert. Manchmal wusste sie gar nicht, ob ich das aufnehme oder nicht. Das sind die spontanen Geschichten, die bei den ersten CDs auch hörbar sind. Wenn ein Kind singt, einfach so.
    Mittlerweile hilfst sie mir schon und gibst Anstösse. Vor allem sagt sie jetzt auch oft „Nein, das sing ich nicht“. Das gibt’s natürlich auch. Sie gibt Widerworte.

    Joely
    Wobei ich die Phase der grossen Widerworte auch schon überwunden hab. In der Pubertät ist das natürlich schwieriger.

    Oliver
    Da hab ich dann auch drei Jahre gar nichts gemacht. Hab sie einfach in Ruhe gelassen

    Ute
    Was ist denn euer persönliches Lieblingslied. Habt ihr da eins?

    Oliver
    Auf jeder CD haben wir ja stehen, welches unser Lieblingslied ist. Das ist dann auch immer so. Aber ein Lieblingslied würde ich eigentlich nicht sagen. Eins wär mir echt zu wenig. Das sind zwischen 80 und 100 Titel und wir haben ja auch noch ganz viele, die ihr noch nicht kennt. Die wir noch in der Schublade liegen haben. Jetzt auf der gelben sind auch Lieder drauf, die hab ich schon vor Jahren gemacht. Also festlegen möchte ich mich da nicht.

    Joely
    Ja, geht mir auch so. Ist ganz, ganz schwierig. Ich hab auf der neuen gelben CD ganz ganz viele Lieblingslieder und was ich da so toll fand, war, dass ich am Anfang auch als ich die Sachen vorgespielt bekommen hab, bei ein paar Sachen etwas skeptisch war und das sind jetzt die, die zu meinen Favoriten zählen. Das find ich eine tolle Entwicklung. Aber ich würde mich auch nicht trauen, mich auf ein Lied festzulegen. Es gibt zu viele Lieder, die aus den unterschiedlichsten Gründen meine Lieblingslieder sind.

    Klaus
    Gestern hatte ich durch Zufall eure Coverversion von Cat Stevens (Father and Son) gefunden. Das ist so super gelungen.

    Oliver
    Wir machen ja auch Hausmusik. Die Dame da ist übrigens Joelys Mama, habt ihr das gewusst?



    Klaus
    Ja, zufällig mal ein Foto von ihr gefunden.

    Oliver
    Sie hebt ja auch das Schild auf unserer neuen CD. Das war eigentlich purer Zufall. Wir haben bei der Fotosession ein bisschen rumgeblödelt und da hat sie eben das Schild gehalten. Und das wurde dann das Foto für die neue CD.

    Joely
    Und wir fanden, dass sie es nach den vielen Jahren, wo sie uns unterstützt hat, es einfach verdient hat auch mit drauf zu sein.

    Oliver
    Ich wollte noch sagen, dass wir ihr auch mal einen Bass gekauft haben.
    Wir nennen das immer Hausmusik und da machen wir immer Nora Jones-Sachen oder Cat Stevens-Sachen, Beatleslieder singen wir auch viel (verweist auf sein Beatles Shirt). Das hat mir Sophie mal mitgebracht, das ist Joelys Schwester. Also zu Hause machen wir auch mal andere Sachen also Cover, man kann ja nicht immer nur Kinderlieder machen. Da lernt man ja auch einiges. Cat Stevens war so mein Ding damals.

    Sara
    Was genau studierst du eigentlich in London und warum hast du dich für das Studium in England entschieden?

    Joely
    Ich studiere Contemporary Music Performance. Ich hatte schon als ich sehr klein war Lust, ins Ausland zu gehen und ich hab immer wahnsinnig gern Englisch gesprochen und bin dann nach dem Schulabschluss vor einigen Jahren nach Amerika gegangen und hab da Summerschool gemacht und da war ich noch ganz unsicher, ob ich Musik studieren möchte. Das hat mir große Angst gemacht, weil ich da einfach noch nicht sicher war, ob ich dafür tauge und dann dachte ich mir für moderne Musik ist London ein ziemlich guter Platz. Dann war das eine relativ spontane Entscheidung im Endeffekt. Ich hatte immer große Lust in die Richtung zu gehen, aber England war nie auf meinem Plan. Das war eine spontane Entscheidung, aber eine sehr gute.

    Klaus
    Ist auch nicht ganz so weit weg.

    Oliver
    Ja, ich war echt erleichtert. Sie fliegt ja relativ oft hin und her, weil ja immer mal was ist, wo ich sie auch hier brauche. Das ist zwar ein bisschen teuer, aber es lohnt sich.

    Ute
    Also, die meisten Instrumente spielst ja du, Oliver. Spielst du auch welche, Joely?

    Joely
    Ich spiel Klavier und ich hab auch mal Saxophon gespielt. Was ich dann leider an den Nagel gehängt habe. Jetzt warte ich noch auf den kleinen Kick den ich noch brauche um wieder anzufangen.

    Oliver
    Das Saxophon steht bei uns zu hause und fragt mich jeden Tag „Wann kommt die Joely denn wieder?“  „Bald“

    Joely
    Ich hätte große Lust. Ich finde es nur blöd zu sagen, man hat keine Zeit. Wenn man etwas ganz unbedngt möchte, dann findet man auch die Zeit und ich weiß, dass mir da das letzte Stück noch fehlt.  Aber das kommt noch und dann fang ich auch wieder an.

    Sara
    Ihr habt euer 5. Album veröffentlicht, aber in welchem Album steckt am meisten von euch drin?

    Joely
    Das ist ne gute Frage. Ich würde sagen, dass das neue sehr viel von uns beinhaltet.

    Oliver
    Vor allem von uns beiden. Weil du jetzt ein eigenständiger und kritikvoller Mensch bist, der viel mitredet. Aber grundsätzlich ist es so, dass das ja so eine Geschichte von uns erzählt von anfang an. Und so verkaufen wir das auch in den Schulen. Kinder finden das faszinierend, dass da jetzt so eine Frau steht, die war aber so alt wie du als sie die blaue CD gemacht hat und dann sag ich immer, die Phase in der wir stecken, steckt jeweils in der Musik.

    Ute
    Joely, du hattest mal in einem früheren Interview erwähnt, dass du auch mit schreiben angefangen hast. Was schreibst du da?

    Joely
    Alles mögliche. Meine Mutter ist Journalistin und da hab ich das immer so sehr mitbekommen. Ich wurde also von beiden Seiten sehr beeinflusst. Ich hab dann eigentlich schon sehr früh angefangen zu schreiben und hab aber dann erst später überlegt, dass das auch eine Berufsmöglichkeit wäre. Ich schreibe sehr gerne Geschichten, also poetische Sachen aber auch journalistische Sachen. Mach ich beides sehr sehr gerne.

    Ute
    Hast Du auch schon was veröffentlicht?

    Joely
    In „Glamour“. Meine Mutter macht das eben. Sie ist dort Chefredakteurin. Und da hatte ich das Glück, schon öfter was zu schreiben.

    Oliver
    Und jetzt hat sie bei unserem neuen Album auch zum dem Lied „Blue Crocodile“ den Text selbst geschrieben. Da hab ich mir gedacht, da lass ich die Finger davon, jetzt wo sie in London lebt. Da könnte es sein, dass sie mich auslacht.

    Joely
    Aber die Idee dazu kam von dir.

    Oliver
    Ja, die kam von mir. Seitdem ist sie auch bei der Gema angemeldet. Da muss man immer eine Veröffentlichung vorweisen, wenn man da Mitglied werden will.

    Ute
    Wie siehts denn bei euch mit Lampenfieber aus? Also nicht nur vor Auftritten sondern auch vor Interviews.

    Oliver
    Also vor euch hatte ich jetzt keine Angst

    Ute
    Das beruhigt

    Oliver
    Aber vor dem Raum da drin hab ich höllische Angst. Ich hab irres Lampenfieber und wenn ich Joely nicht hätte, dann könnte ich das Ganze auch nicht machen. Weil Joely mich auf der Bühne auch echt oft auffängt. Kennt ihr die berühmteste Geschichte? Da war sie halb so alt wie du (zu Sara) also so 6. Und da sind wir in der Oper von Duisburg aufgetreten. Ich hab zu meinem Saxophon gegriffen und wollte anfangen zu spielen, aber ich hatte die Kappe noch drauf. Und da hat Joely während dem Singen die Kappe abgezogen, damit ich überhaupt spielen konnte. Sie hat immer alles im Kopf, auch was ich machen muss. Und darauf verlasse ich mich.

    Joely
    Ich hab schon manchmal Lampenfieber. In unserer Kombination selten, was ich echt Oliver zu verdanken hab, weil ich irgendwie weiß, dass wir uns unheimlich gut ergänzen und so gut aufeinander eingestimmt sind, dass ich nichts zu befürchten habe. Was ich auch absolut verstehen kann, dass das bei Oliver mit mehr Nervosität verbunden ist. Denn ich singe da und unterhalte aber er unterhält, moderiert, spielt Saxophon, Banjo, Ziehharmonika und Gitarre, manchmal auch Klavier. Das ist einfach mit mehr Komplikationen verbunden...

    Oliver
    ...kann ne Menge in die Hose gehen

    Joely
    ...hat dann auch noch die ganze Band im Blick, hab ich auch aber er leitet sie an. Und das ist ganz einfach mit der Last, die ich da zu tragen hab nicht zu vergleichen.

    Ute
    Und wie macht ihr das mit den Proben? Kommst du regelmäßig vor den Auftritten zum Proben wieder nach Deutschland?

    Joely
    Die Basis ist so geschaffen, dass wir nicht mehr groß anfangen müssen in einen Probenrhythmus zu kommen. Wir treffen uns davor so 2 oder 3 mal. Alle Jungs in den Probenraum zu kriegen ist sowieso eine wahnsinnige Mission. Dann proben wir manchmal erst mit der einen Hälfte dann mit der anderen. Und wenn wir Glück haben, haben wir noch eine Generalprobe mit der ganzen Band und das wars dann auch.

    Oliver
    Die hatten wir vorgestern. Die Jungs spielen ja auch in ganz vielen verschiedenen Bands und haben ganz viele andere Projekte. Aber es sind halt absolute Profis. Deshalb haben wir sie auch genommen. Auch wenn wir ganz lustig mit denen Abendessen und so, aber die arbeiten auch an anderen Sachen. Denen kann man aber ne Partitur geben und die können sie sofort spielen. Ich staun da ja manchmal. Der Hajo (Schlagzeuger) heute ist ja ein Ersatzmann. Der ersetzt den Ravi, der heute nicht kann. Der Hajo ist das erstemal dabei. Mal schauen, ob ers drauf hat.

    Klaus, Sara und Ute
    Dann danken wir euch ganz herzlich für das Gespräch und viel Spaß bei eurem Auftritt.

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